Selbstverständnis der Humanistischen Initiative Schleswig-Holstein (12.2018)

Humanismus ist eine anerkannte Weltanschauungsgemeinschaft und den Religionen nach Artikel 140 Grundgesetz formal gleichgestellt. Wir Humanistinnen und Humanisten schöpfen dabei nicht aus jenseitigen, sondern aus diesseitigen Wertequellen. Das haben wir mit einem Großteil der Schleswig-HolsteinerInnen gemein. Viele von uns haben nie etwas mit Religionen anfangen können, sind aber oftmals schon als Kinder getauft und dann konfirmiert worden, weil es insbesondere im ländlichen Raum so üblich war. Das führt dann in ein Leben, das einen nicht erfüllt. Es mangelt an Alternativen. Zudem fehlt es weitgehend an öffentlicher Anerkennung und politischer Einbeziehung des Teils der Bevölkerung, der eben keiner Religion angehört oder diese nicht praktiziert. In Schleswig-Holstein betrifft das knapp die Hälfte der Menschen.

Unsere Humanistische Initiative ist keine Partei. Wir sind die Interessenvertretung einer Weltanschauungsgemeinschaft konfessionsfreier Bürgerinnen und Bürger und davon überzeugt, dass humanistisches Engagement nur überparteilich stattfinden kann. Unsere Interessen als Weltanschauungsgemeinschaft vertreten wir eigenständig gegenüber der Politik. Wir bringen uns ein in gesellschaftspolitische Diskurse und tragen mit unseren Positionen, die einen praktischen Humanismus im Blick haben, zur Meinungsbildung bei; denn wir wollen, dass die Menschen in Schleswig-Holstein eine echte Wahl haben. Das betrifft schon die Möglichkeit, die eigenen Kinder in Schulen und Kindergärten unterzubringen, die humanistische Bildung und Werte vermitteln. Vernunft und Menschlichkeit sind die Grundlagen unseres Handelns. Diese humanistischen Werte sind universell, ihre Sprache ist das Argument.

Mit dem Bezug auf diesseitige Wertschöpfungsquellen gewinnen wir persönliche Freiheit. Wir Humanistinnen und Humanisten leben in dem Bewusstsein, dass wir unsere diesseitigen Lebensbedingungen aus uns selbst heraus gestalten können und müssen. Wir blicken dabei auf eine 2.500-jährige Kulturgeschichte zurück, die mit den Philosophen und Künstlern der griechisch-römischen Antike beginnt. Diese Kultur erlangt einen neuen Höhepunkt in der Renaissance und dann noch einmal in der Aufklärung. Unsere heutige Demokratie ist ebenfalls ein Höhepunkt der Humanität. Leider wird das oft vergessen. Dabei haben Humanistinnen und Humanisten seit jeher die Menschenwürde über religiöse und politische Schranken gehoben. In unserer jüngeren Vergangenheit ist das vor allem den Frauen zu verdanken. Unsere heutigen Freiheiten basieren allesamt auf Rechten, die immer wieder auch von jenen Menschen erkämpft und eingefordert wurden, die sich im Sinne dieser humanistischen Kultur zum Handeln veranlasst sahen. Doch insbesondere im ländlichen Raum gehen die Schleswig-HolsteinerInnen vielerorts durch ein Leben, ohne jemals mit dieser Kultur in Berührung zu kommen.

Wir Humanistinnen und Humanisten unterstützen und organisieren daher schleswig-holsteinische Kulturveranstaltungen, die Erkenntnisse vermitteln sowie Emanzipation, freie Kunst und kritisches Denken fördern. Wir trachten danach, humanistische Inhalte für Bibliotheken und Volkshochschulen zu stiften. Darüber hinaus fördern wir das selbstbestimmte Leben auch mit sozialen Angeboten. So schaffen wir in Schleswig-Holstein eine weltliche Festtagskultur. Wir begehen Jahreswendefeiern und begleiten mit geschulten Feiersprechern private Lebenswenden: Jugendweihe, Eheschließungen, Tod und Geburt. Wir stiften Gemeinschaft.

In Schleswig-Holstein hat sich genau deshalb die Humanistische Initiative gegründet. Begleitet werden wir vom Humanistischen Verband Deutschlands, und zwar auf unserem Weg, auf dem wir aus einer rein diesseitigen Wertequelle schöpfen: Vernunft und Menschlichkeit.

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